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Regelrecht ungewöhnlich

Im Grunde ist die Sache mit dem Golfspiel simpel. Dahinter reihen sich aber alle nur erdenklichen Sonderregeln aneinander. Ein Einblick mit ÖGV-Regelexperten.

Der Royal & Ancient Golf Club of St Andrews (R&A) in Schottland, gegründet 1754, ist gemeinsam mit der United States Golf Association (USGA) die oberste Instanz im Golfsport. Prinzipiell gibt es nur 34 Regeln, was Golf zu einer aufgeräumten Sache machen würde.

Elgar Zelesner

Aber: Die „Decisions on the Rules of Golf“ umfassen an die tausend Seiten, in denen alle nur erdenklichen Sonderfälle detailliert aufgeschlüsselt sind. Der Wälzer wird von R&A und USGA alle vier Jahre überarbeitet, mit Regeländerungen ist 2019 zu rechnen.
In Österreich gilt Elgar Zelesner als einer der regelkundigsten Fachmänner in der Golfszene. Der Manager im GC Föhrenwald nächst Wiener Neustadt brachte nicht nur die ÖGV-Prüfung zum Schiedsrichter erfolgreich hinter sich, sondern absolvierte auch einen Kurs in St. Andrews, der ihn zum Tragen der Bezeichnung „Geprüfter R&A Referee“ berechtigt. Für UNLIMITED GOLF erklärt der 58-jährige Steirer zehn Regel-Schmankerl, um Hobbyspielern das unwissende Schulterzucken in Extremfällen zu ersparen.

  1. Ein Greenkeeper liegt am Fairwayrand und macht ein Mittagsschläfchen. Der Ball eines Spielers rollt in seine Hosentasche. Klingt absurd, wird aber auch in den „Decisions on the Rules of Golf“ erwähnt. Zelesner erklärt: „Die Lösung ist simpel. Der Greenkeeper ist nicht zum Spiel gehörend, also darf man den Ball aus der Hosentasche holen und straffrei droppen. Gleiches gilt in exotischen Ländern für wilde Tiere. Man muss nicht vom Rücken eines Krokodils weiterspielen, sondern darf in sicherer Entfernung, aber nicht näher zum Loch, straffrei droppen.“

  2. Hobbygolfer riskieren gern einen Schlag durch die Äste, weil ja ein Baum angeblich zu 90 Prozent aus Luft bestehen soll. Manchmal bleibt der Ball stecken. „Grundsätzlich muss er so gespielt werden, wie er liegt. Also darf oder muss man auf den Baum klettern und weiterspielen. Fällt der Ball durch die Kletterbewegungen herunter, kassiert man einen Strafschlag und muss ihn wieder zurücklegen. Ist der Ball nicht erreichbar oder erklärt ihn der Spieler für unspielbar, wird der Ball innerhalb zweier Schlägerlängen von dem Punkt auf dem Boden fallen gelassen, der genau unterhalb der Stelle ist, an der sein Ball am Baum lag. Mit einem Strafschlag.“

  3. Im GC Föhrenwald, lange Jahre Fixpunkt auf dem Kalender der Ladies European Tour, tummeln sich an die tausend Ziesel. Viele leben unter den Fairways. Was, wenn der Ball in einem Zieselloch verschwindet? „Wenn der Ball im Loch gefunden wird, darf man ihn innerhalb der Fairwaygrenzen herausnehmen und es gibt einen Freedrop“, sagt Zelesner. Ist er trotz eines perfekten Schlages auf dem Fairway nicht auffindbar, muss von der Stelle des letzten Schlages mit einem Strafschlag weiter gespielt werden.“

  4. Zwei Spieler vertauschen versehentlich nach dem Einlochen ihre Bälle und schlagen am nächsten Tee mit dem fremden Ball ab. Haben beide einen falschen Ball gespielt und müssen sie eine Strafe befürchten? „Nein“, sagt Zelesner. „Ein Ball, der ins Spiel gebracht wird, ist kein falscher Ball. Der Spieler muss allerdings das Loch damit fertigspielen.“

  5. Soll nicht passieren, dass jemand seinen Unrat auf dem Golfplatz verstreut, es kann aber vorkommen: Der Ball kommt im Bunker auf einer Bananenschale zu liegen. „Das ist Pech. In einem Hindernis dürfen lose, hinderliche Naturstoffe nicht bewegt werden. Wenn der Spieler die Bananenschale entfernt, bekommt er zwei Strafschläge“, sagt Zelesner. Ebenso verhält es sich mit einem Ast im Hindernis. Eine Plastikflasche darf hingegen straffrei entfernt werden, weil sie kein Naturstoff ist. „Auf dem Fairway herrschen andere Voraussetzungen. Liegen die Bananenschale oder der Ast so, dass der Ball nicht bewegt wird, darf sie entfernt werden. Liegt sie unter dem Ball und bewegt sich der Ball beim Entfernen, gibt es zwei Strafschläge.“

  6. Was geschieht, wenn der Flightpartner bei einem Turnier zu viele Schläger im Bag hat? Zelesner erinnert an den großen Ian Woosnam, der die British Open 2001 wegen eines Regelverstoßes aus der Hand gab. „Woosnam ging als Führender in den Finaltag. Der Caddie hatte vergessen, einen Driver, den Woosnam auf der Range getestet hatte, wieder aus dem Bag zu nehmen. Aufgefallen ist es am Finaltag am zweiten Abschlag. 14 Schläger im Bag sind erlaubt, Woosnam hatte 15 dabei, das gibt zwei Strafschläge.“

  7. Der Ball befindet sich in einem frontalen Wasserhindernis und wäre gut spielbar - wenn man nicht beim Schlag das hinter dem Ball liegende Vogelnest mit Eiern zerstören würde! „Auch in einem Hindernis darf der Spieler die Regel 1-4, also nicht durch Regeln erfasste Einzelheiten, anwenden“, sagt Zelesner. „Er darf den nächstgelegenen Punkt feststellen, bei dem das Nest nicht beschädigt werden würde, und straffrei innerhalb einer Schlägerlänge, aber nicht näher zum Loch, droppen.“ Der Ball muss in demselben Hindernis gedroppt werden. „Ist das nicht möglich, muss in einem nahe gelegenen gleichartigen Hindernis gedroppt werden – natürlich in einem, das nicht näher zum Loch liegt.“

  8. Der Ball landet auf dem Nachbar-Grün. Was tun? „Bloß nicht einfach weiterspielen, als ob es ein Fairway wäre“, sagt Zelesner. „Der Spieler muss den nächstgelegenen Punkt außerhalb des Grüns und nicht in einem Hindernis ermitteln und ausgehend von diesem Punkt seinen Ball innerhalb einer Schlägerlänge, nicht näher zur Fahne, droppen.“ Das Ganze geschieht straffrei.“

  9. Der Flight davor spielt so langsam, dass sich dahinter die Massen stauen. „Wenn das Spiel unangemessen verzögert wird, etwa durch extrem langsames Gehen oder zu langer Suche nach einem Ball, gibt es erst eine Verwarnung durch einen Referee“, sagt Zelesner. Der betreffende Spieler werde ‚auf die Uhr genommen‘. „Das bedeutet, dass er sein Spiel beschleunigen muss, andernfalls kassiert er Strafschläge.“

  10. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Verstöße gegen die Etikette keine unmittelbaren Folgen im Rahmen eines Turniers haben. „Wenn ein Spieler permanent den Schläger schmeißt oder unflätig schimpft, kann er mit zwei Strafschlägen belangt werden“, sagt Zelesner. „Wenn er sein Verhalten trotzdem nicht ändert, kann er disqualifiziert werden.“

Elgar Zelesner erklärt: „15 Schläger im Bag bedeuten zwei Strafschläge“