Volume 2019: Out now!Download
business

Spaziergänger auf der Überholspur

Manfred Ainedter wurde im Alter von 50 Jahren zum Golfsport berufen. Im Interview spricht der 66-jährige Top-Anwalt über die „leider erst“ spät entfachte Leidenschaft und die nicht enden wollende Faszination, die ein kleiner weißer Ball auf einen erwachsenen Menschen ausüben kann.

Manfred Ainedter, 66, promovierte 1975 zum Doktor der Rechtswissenschaften. Nach zahlreichen Jahren in diversen Kanzleien gründete er 1980 in Wien die Kanzlei Dr. Ainedter. 2008 trat Sohn Klaus ins Unternehmen ein, 2011 wurde er gleichberechtigter Partner. Manfred Ainedter ist einer der Top-Anwälte des Landes, derzeit vertritt er u. a. Karl-Heinz Grasser im Buwog-Prozess und den ehemaligen Ski-Trainer Karl Kahr in der „Me-Too“-Causa. An Wochenenden und im Urlaub ist das Mitglied des Colony CC Himberg meist auf dem Golfplatz anzutreffen, das Handicap steht bei 22,8.

Beruflich steht der Jurist immer im Zentrum des Medieninteresses

Wann sind Sie der Faszination des kleinen weißen Balles erlegen?
Ich war 50, also leider viel zu spät. Meine Frau und ich spielten immer Tennis, dann hat sie mit Golf begonnen. Darunter hat natürlich die gemeinsame Freizeit gelitten. Nach fünf Jahren habe ich schließlich gesagt: Entweder du hörst auf mit Golf oder ich fange an.

Sie hat offensichtlich nicht aufgehört.
Ich bin einmal mitgefahren und habe mir das angeschaut, unter dem Motto: Spazieren gehen kann ich ohne Golfschläger auch. Ich habe dieses Spiel aus der Ferne nicht als Ertüchtigung gesehen. Dazu kam, dass es auf mich befremdlich wirkte, wenn Erwachsene im Regen stehen und versuchen, einen Ball in ein Loch zu rollen. Im Urlaub auf Mauritius habe ich meine erste Runde gespielt. Die wollten bei der Anmeldung mein Handicap wissen, ich hatte keine Ahnung, was das sein soll. Meine Frau hat 36 gesagt. Auch mit dem Handschuh konnte ich nichts anfangen, ich wusste nicht, wofür ich so viele Schläger mitnehmen sollte oder was eine Tee-Time ist. Obwohl ich dort gleich nach den ersten Versuchen einen Leihschläger zerbrochen habe, war ich begeistert. Als der Ball das erste Mal geflogen ist, hatte ich dieses berühmte Aha-Erlebnis, dieses Gefühl, das einen Suchtfaktor entstehen lassen kann. Sofort habe ich mich für das Equipment und das Drumherum zu interessieren begonnen.

Wie ist der Weg vom Spaziergänger zum Golfer weitergegangen?
Kaum zurück vom Urlaub, machte ich den Platzreifekurs beim schottischen Pro John Carnegie in Schönborn, der Jahre später leider bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Dann habe ich mich wie meine Frau in Himberg eingeschrieben. Ein toller Club mit einem gediegenen Wohlfühl-Ambiente. Tennis haben wir seither kaum noch gespielt.
Was macht nun den Reiz des Golfsports aus?
Pro Schlag gibt es hundert mögliche Fehlerquellen, das heißt, du musst stets hochkonzentriert sein. Der Kopf kommt kaum zur Ruhe, wenn man bei einem Turnier antritt. Dazu kommt, dass man auf einer Runde an die sieben Kilometer marschiert. Durch diese Kombination wird Golf definitiv zu einem körperlich anstrengenden Sport. Im Clubhaus bin ich immer ausgepowert und rechtschaffen müde. Dann genieße ich es, mich im Kreis von netten Leuten zu entspannen.

Wie oft spielen Sie? Haben Sie bedenken, dass Sie heuer aufgrund des Buwog-Prozesses, der ja bis Herbst dauern soll, weniger oft dazukommen?
Wir spielen nur an Wochenenden und im Urlaub. Die Destinationen richten sich dabei immer nach dem Golf aus. Dass ich heuer seltener auf dem Platz anzutreffen sein werde, schließe ich aus, es sei denn, ich bin verletzt. Es gibt ja viele Verhandlungspausen, im Sommer sind es zwei Monate. Und die Wochenenden werden durch den Beruf kaum beeinträchtigt.


Dass ich heuer seltener auf dem Platz anzutreffen sein werde, schließe ich aus. Es gibt ja viele Verhandlungspausen, im Sommer sind es zwei Monate.
Manfred Ainedter

Sie haben -22,8 als Stammvorgabe. Gibt es diesbezüglich sportliche Ziele?
Das Handicap ist eine Nummer, mehr nicht. Um mich zu verbessern, müsste ich mehr trainieren, und dazu fehlt mir die Zeit. Es geht mir ausschließlich um den Spaß, wobei ein Maß an Ernsthaftigkeit natürlich unerlässlich ist.

Konzentriert beim Abschlag: Jurist Manfred Ainedter, ein Maß an Ernsthaftigkeit inklusive

Welche sind Ihre Lieblingsplätze?
In Himberg mag ich den Ost- und Westkurs gleichermaßen. In Schönborn gefällt mir die Parklandschaft. Auch im Adamstal bin ich gelegentlich. In Kärnten schätze ich Dellach. Am liebsten spiele ich aber die Links-Kurse in Irland, etwa den Old Head. Heuer machen wir dort eine Woche Urlaub. Das wird ein Highlight.


Alle Fotos: ©Kärntner Regionalmedien